30 Jahre Deutsche Einheit, das ist Geschenk und Aufgabe zugleich

Ökumenischer Gottdienst auf dem Bussen

BUSSEN – Der Tag der Deutschen Einheit wurde vom evangelischen Kirchenbezirk und dem katholischen Dekanat Biberach in Kooperation mit dem Bündnis für Demokratie und Toleranz im Landkreis Biberach mit einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Bussen gefeiert. Der katholische Dekan Sigmund Schänzle und der evangelische Dekan Matthias Krack leiteten diesen Gottesdienst, der von Dekanatskirchenmusikerin Naho Kobayashi an der Orgel und der Diplom-Kirchenmusikerin Aline Ehrig-Metz als Solistin musikalisch gestaltet wurde. Mitfeiernde waren Bundestagsabgeordneter Josef Rief und Bernd Schwarzendorfer in Vertretung von Landrat Dr. Heiko Schmid.

Dekan Schänzle wies darauf hin, dass Einheit ein Wachstumsprozess sei. Er betonte dabei: „Die Einheitseiche auf dem Bussen, die vor 30 Jahren gepflanzt wurde, ist ein Symbol für das Wachsen und Zusammenwachsen in unserem Land.“ Mit Blick auf den Bekennerbischof Joannes Baptista Sproll, „der mutig dem Nationalsozialismus die Stirn bot“, betonte Schänzle: „Es gilt heute immer noch, sich für das hohe Gut der Freiheit mit allen Kräften, Talenten und Charismen einzusetzen, um es zu verteidigen und zu bewahren.“

Dekan Krack betonte zu Beginn seiner Predigt, dass der Tag der Deutschen Einheit, ein Fest der Freiheit sei. Dabei brachte er zum Ausdruck: „Wir sind dankbar für die vielen Menschen in den Ostdeutschen Ländern, die diese Freiheit mit ihrem Gewaltfreien Engagement erkämpft haben.“ Er ließ dabei Erinnerungen an die Zeit um den Mauerfall und der Wiedervereinigung nochmals lebendig werden und betonte, dass es wichtig sei, sich immer wieder zu erinnern. „Ich bewundere das Gottvertrauen, die Beharrlichkeit und Zuversicht mit der viele Christen in der DDR bei den Friedensgebeten und später bei den Montagsdemonstrationen für die Freiheit eingetreten sind.“, so Dekan Krack. Aber er gab auch zu bedenken, dass sich manche bei der Einheit Deutschlands über den Tisch gezogen fühlten. Grundgesetz, Bundesadler oder Hymne seien auf ganz Deutschland übertragen worden. „Die Vereinigung erschien wie ein Anschluss. Für uns im Westen dagegen bedeutete die deutsche Einheit viel weniger Umstellung.“, so Dekan Krack und appellierte: „Das Projekt der deutschen Einheit ist noch längst nicht abgeschlossen. Und manchmal ist die Trennung immer noch im Kopf gegenwärtig. Wir brauchen Geduld – Geduld auch im Umgang miteinander.“ „Auf dass sie alle eins seien“, zitierte Dekan Krack Jesus aus dem Johannesevangelium und sagte weiter: „Mit dieser großen Verheißung Jesu, die weit über unser Land hinausreicht und die uns vorbehaltlos in die Menschheitsfamilie hineinstellt, leben wir. Sie ist uns Zuspruch und Auftrag zugleich.

Bevor im Anschluss an den Gottesdienst die Deutsche Nationalhymne gesungen wurde, betonte Dekan Schänzle nochmals, wie wichtig die Grundwerte „Einigkeit und Recht und Freiheit“ für die Gesellschaft seien. Einigkeit meine nicht Uniformität, „sie fordert trotz aller Verschiedenheit den Willen einen Konsens zu erlangen.“, so Dekan Schänzle und betont weiter: „Recht und Gerechtigkeit sind nicht willkürlich oben herab erstellt worden, sondern sind gemeinschaftlich erarbeitete Schutzpfeiler.“ „Freiheit“ bezeichnete der Dekan als „kreative Gestaltungskraft für Einigkeit und Recht.“ „Einigkeit und Recht und Freiheit“ sei eine bleibende Herausforderung, zu der neuen Herausforderungen dieser Zeit hinzukämen, so Dekan Schänzle.

Foto: v.l. evangelischer Dekan Matthias Krack, MdB Josef Rief, Vertreter für den Landkreis Biberach Bernd Schwarzendorfer, und katholischer Dekan Sigmund Schänzle  

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